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In
der Leverkusener City, wo tagsüber Familien mit Plastiktüten
bepackt von Geschäft zu Geschäft eilen, öffnet
Türsteher Rainer nach Ladenschluss das Tor zum Leverkusener
Nachtleben.
Stufe
für Stufe leuchten Grabkerzen die Treppe hinab zur Tanzfläche,
und das gläserne Dach, das wie eine Pyramide in der Mitte
des Friedrich-Ebert-Platzes aus dem Boden ragt, strahlt rötlich
in den Nachthimmel. In einem kleinen Räumchen, gleich
hinter der Eingangstür, sitzt Rainer H., ein schlanker
Mann von mittelgroßer Statur, an der Kasse der Leverkusener
Szene-Discothek "Shadow".
"Das
hier ist eigentlich nicht so ein typischer Türsteher-Job",
sagt Rainer und sortiert dabei die Handzettel mit dem Wochenprogramm
der Disco. Dann wischt er mit der flachen Hand Zigarettenasche
vom Tisch und sortiert die Verzehrkarten zu kleinen Stapeln.
Jeder Gast bekommt beim Einlass eine solche Karte. Die Bedienung
notiert darauf die Getränke, die der Gast im Lauf des
Abends an der Theke bestellt. "Wenig los heute Nacht",
stellt Rainer fröstelnd fest und zieht den Reißverschluss
seiner schwarzen Bomberjacke hoch.
Rainer
ist 29 Jahre alt und eigentlich Tischler von Beruf. "Aber
irgendwann sind die Aufträge ausgeblieben und mein Job
war weg", sagt er und rückt das rosa Trinkgeld-Sparschwein
auf dem Kassentisch zurecht. Im September vergangenen Jahres
wurde er arbeitslos. Was ihm blieb, war der Nebenjob im "Shadow".
Ein paar Stunden in der Woche arbeitet Rainer als Türsteher,
Putzmann, Handzettelverteiler und Kassierer. "Eine halbe
Stunde vor Eröffnung helfe ich beim Putzen, hebe die
Stühle von den Tischen, stelle die Aschenbecher auf die
Theke und zünde die Kerzen an, damit es schick aussieht."
Er hofft, dass "bald eine Festanstellung raus springt".
"Vielleicht kann ich dann auch das eine oder andere tischlern
oder kaputte Stühle reparieren."
Rainer
mag das Klima im "Shadow". "Unsere Gäste
sind friedlich." Natürlich müsse er sich manchmal
gegen vier Uhr morgens, kurz bevor die Disco schließt,
auf längere Diskussionen mit dem einen oder anderen Angetrunkenen
einlassen, der partout nicht nach Hause will. Sein Rezept:
"Man muss einfach die Ruhe selbst sein. Auch wenn dann
so Sprüche kommen wie Sag' mal, nimmst du Valium'. Einfach
ruhig bleiben." Rainer hat Verständnis für
solche Gäste. "Ich spreche schließlich aus
Erfahrung. Ich war früher auch nicht immer der vorteilhafteste
Gast." Konkreter wird er nicht. "Wie das halt so
in der Disco geht: Man trifft sich mit Kumpels und jeder will
vor dem Anderen sein Ego aufpolieren." Vor fünf
oder sechs Uhr morgens kommt Rainer selten ins Bett. "Ich
schlaf dann halt bis in den Nachmittag rein", erzählt
er.
"Macht
die Tür zu"
Rainer
lebt alleine, er hat keine Familie und keine Kinder, die ihn
tagsüber in Anspruch nehmen. "Eine Beziehung",
meint er, "würde auf Dauer sowieso nicht gut gehen.
Dazu passt mein Lebenswandel eben nicht." Mittlerweile
ist es drei Uhr. Auf der Türschwelle palavern drei junge
Männer, ob es sich noch lohnt, für einen Absacker
ins "Shadow" zu gehen. "Kommt rein oder bleibt
draußen, aber macht bitte die Tür zu", ruft
ihnen Rainer entgegen. Sie kommen rein.
Vom
unteren Ende der Treppe schallt derweil dumpfe Musik herauf.
Stufe für Stufe verliert sich die Melodie und nur ein
breiiger Bass schafft es bis ganz nach oben. Rainer geht runter.
"Nach dem Rechten sehen", wie er sagt. Auf der Tanzfläche
sind nur ein paar schemenhafte Gestalten zu erkennen. Die
Fläche ist in künstlichen Nebel getaucht, von dem
die roten und blauen Blitze der Lichtanlage zurückstrahlen.
Die Luft ist stickig und voller Zigarettenrauch. An den Tischen
rund um die Tanzfläche sitzen schwarz gekleidete Besucher
und reden gegen die laute Musik an. Rainer hebt seine Hand
und grüßt irgendeinen menschlichen Umriss im Nebel.
Dann geht er zu den Toiletten, die am Ende eines kleinen dunklen
Gangs liegen.
"Übrigens,
Klomann bin ich auch. Manchmal muss ich nachts mit dem Putzeimer
anrücken, wenn jemand beim Kotzen das Becken nicht getroffen
hat", erzählt er. Ob ihm die Arbeit in solchen Momenten
nicht stinkt? "Nein", sagt er, "ich arbeite
gerne hier." Heute hat er Glück. Das Klo ist sauber.
Rainers
liebster Arbeitstag im "Shadow" ist der Samstag.
Dann reisen zur "Dresscode-Black"-Party - zur Party
in Schwarz - Menschen von weit her an, "sogar aus Koblenz
oder Gütersloh". Aber egal ob Gütersloh oder
Leverkusen: in Jeans-Blau kommt keiner an Rainer vorbei. "Schwarze
Kleidung muss schon sein", sagt er. Möglichst mit
Spitze und Rüschen - die seien natürlich das I-Tüpfelchen.
"Wir wollen eben an diesem Abend in der Woche keine Ballermann-Touristen'.
Die gaffen doch nur und lachen unsere Gäste aus",
sagt Rainer. "Ballermann", das steht für Rainer
für Hitparaden-Musik, Sangria aus Eimern, Hawaiihemden.
Und ist außerdem ist es der Name der anderen, nahe gelegenen
Disco in Leverkusen. Allesamt Reizworte für die Fans
düsterer Musik und ebenso düsterer Kleidung, die
samstags im "Shadow" gerne unter sich bleiben. "Aber
an allen anderen Tagen ist das Publikum gemischt und jeder
ist willkommen", sagt Rainer.
Nur
ruhig bleiben
Mittlerweile
ist es halb vier. In einer halben Stunde schließt das
"Shadow", allmählich bildet sich eine Schlange
an der Kasse vorm Ausgang. Rainer setzt sich wieder auf seinen
Hocker und nimmt eine Verzehrkarte an, die ihm ein Gast hinhält.
Drei Kölsch und zwei Cola - Rainer muss die Preise nur
noch addieren. Leise sagt er: "Gleich gibt's wieder Diskussionen
mit denen, die partout nicht gehen wollen. Dann heißt
es ruhig bleiben."
(KStA)
Quelle:
Kölner Stadtanzeiger, 28.10.03, Autor: Martin Benninghoff
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...Und
sie steigen hinab, um dem Lichte fern zu sein. So oder ähnlich
könnte ein Schriftzug über dem Eingangsprotal der
kleinen, aber feinen Discothek in Leverkusen lauten, denn
es ist wirklich ein kultiger und vor allem durch und durch
schwarzer Laden. Mitten in einer Einkaufspassage gelegen und
dank Homepage-Wegbeschreibung gut im Stadtzentrum zu lokalisieren,
macht das Shadow seinem Namen alle Ehre: Umringt von den bunten
Angeboten der benachbarten Läden führt eine direkt
hinter der Eingangstür des Ladens gelegene Treppe tief
in das Innere der Discothek, die ihre schwarzen Gäste
tröstlich in ihre Dunkelheit aufnimmt. Nach einer weiteren
Glastür, von der ich mir habe sagen lassen, dass Gäste
sie immer mal übersehen ;-), gelangt man in den Clubraum,
der maximal vierhundert Leuten Platz bietet.
Was
soll ich sagen? Der erste Besuch reicht nicht, um die gesamte
Dekoration zu begutachten und sich darüber zu freuen,
dass es doch noch einfach schnuckelige Läden zum Versumpfen
und Musikanbeten gibt. "Wir arbeiten ständig an
der Deko, und es wird sich noch einiges verändern!, verrät
mir Geschäftsinhaberin Claudia, die am Wochenende immer
hinter der Theke mit anpackt und tanzend sichtlich selbst
Freude am Shadow hat. Und in der Tat ist das Shadow einer
der wenigen Läden, der sein musikalisches Programm ganz
auf Schwarz ausgerichtet hat. Die Bandbreite der nächtlichen
Klänge reicht dabei von 80er-Sound, Gothic, Electro,
Alternative, Metal bis hin zu mittelalterlichen Musikgefilden,
wobei sich für letztere DJ Granini verantwortlich weiß
und sonntags an den Reglern zu finden ist.
DJ Ralf, der samstags den Schattentanz im Shadow anführt
und auch Teilhaber des Ladens ist, kennt seine Gäste
genau und manövriert zumeist im Alleingang die höchst
unterschiedlichen Gäste des Wochenendes durch ein abwechslungsreiches
Programm. Augenzwinkernd steht er mir im Büro gegenüber
und entschuldigt die fehlenden Übergänge zwischen
den verschiedenartigsten Songs, doch ich habe bereits registriert,
dass dies im Shadow von den Gästen durchaus gewollt und
nicht bemäkelt wird: Es sind immer genug Gäste vor
Ort, so dass bei Electro-, Metal- und auch Gothicstücken
jeweils der eine Pulk Tänzer von dem nächsten abgelöst
wird. Das ist interessant anzusehen, denn immerhin sieht man
derart gemischtes Publikum selten, bedenkt man, dass Großraumdiscotheken
ja immer mehr zur Floorteilung tendieren.
Im Shadow ist jedoch Toleranz angesagt, und wie mir Urgestein
Ralf, der seit Jahren im DJ-Biz aktiv ist, berichtet, hat
es bislang noch keine ernsthaften Auseinandersetzungen zwischen
den Gästen gegeben. Ob es an den Türstehern liegt?
Immerhin gehört Bad-Mad-Party-Animal Matthes von Plastic
auch zu der Leverkusener Crew - und sich mit diesem Energiebündel
zu messen, wäre sicherlich eine reife Leistung!
Auch was die Getränkepreise angeht, so ist der Laden
eine sympathische Location für eine Odyssee durch die
Genüsse des flüssigen Thekenuniversums, davon kann
man sich eingehend auf der Homepage des Ladens vergewissern
- mit 2 bis 3,25 Euro Eintritt und zirka 2 bis 3 Euro Mindestverzehr
durchaus ein erschwingliches Vergnügen. Im Internet kann
man sich natürlich auch über die vielfältigen
Special-Parties im Shadow informieren als auch über Konzerte,
die Ralf besonders am Herzen liegen. Besonders die Crüxshadows
haben seinen Wunsch untermauert, auch weiterhin den Gästen
hautnahen Kontakt zu Bands zu ermöglichen. Doch lange
Rede, kurzer Sinn: Wer also Lust darauf hat, seinen Musikvorliebenin
schaurigem Ambiente zu frönen, der sollte sich das Shadow
nicht entgehen lassen, in dem ja auch kürzlich eine Zillo-Party
mit Gast-DJ und Musiker Adrian Hates (Diary of Dreams) stattfand
und welches mit seinem DJ-Team (umfangreiche Übersicht
finder ihr auch auf der Homepage) sicherlich für jeden
Geschmack den richtigen Abend anzubieten hat. Doch soviel
sei genug als Appetit-Häppchen, und vielleicht erzähle
ich euch auch bald mal was vom Wuppertaler Pavillon... ;-)!
Nana
Tamschick
Quelle:
Zillo Musikmagazin, Ausgabe 12/02, 01/03
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